80. Pankower Waisenhausgespräch
am Mittwoch 11. November 2026, 18.30 Uhr
Lernt die Menschheit nie? Erinnerungskultur als Mehrgenerationenprojekt
Wie bleibt das Schicksal von Menschen in einem Haus lebendig, aus dem sie vertrieben wurden? Wie können wir den längst verstorbenen Zöglingen aus dem Waisenhaus heute begegnen? Und wann wird aus der Pflicht zum Gedenken ein persönliches Bedürfnis, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen?
Das 80. Waisenhausgespräch widmet sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Das historische Gebäude wird dabei zum Ort lebendiger Erinnerung, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Dialog treten.
Szenische Lesung
“Ja, ja, wir haben aus der Geschichte gelernt!
JAA! Wir sind ein Volk der Täter.
JAA! Es tut mir so leid. Ich schäme mich so dermaßen dafür.
Und ich hab schon echt richtig viel mit meiner Omi geschimpft deswegen, das können sie sich gar nicht vorstellen.”
Das Theaterkollektiv OfW verwebt historische Dokumente mit der eigenen Haltung zur Erinnerungskultur, die zwischen Tatendrang, Widerspinst und Ratlosigkeit Halt sucht und u.a. in den Gedanken und lyrischen Texten ehemaliger Zöglinge fündig wird.
Es lesen: Anja S. Gläser und Florentine Schara
Text und szenische Einrichtung: Philipp Urrutia
Deutsch mit englischen Übertiteln.
Impuls von Schülerschaft
Genauso wie einst für die Zöglinge ist für die Schüler*innen der SchuleEins das ehemalige Waisenhaus ein vertrauter Lebensort. Hier lernen sie, schließen Freundschaften, tun verbotene Dinge auf der Schultoilette, bilden ihren ‘Moral Compass’ aus. Und sie wundern sich über ‘die älteren Herrschaften’ an der Wand des Betsaals, den die SchuleEins als Schulaula nutzt.
Seit geraumer Zeit forschen sie außerdem in verschiedenen Altersstufen über die Geschichte des Hauses. In einem Workshop mit dem Historiker Noor Hammood tragen die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren ihre Erkenntnisse zusammen.
Beim Waisenhausgespräch präsentieren sie ihre Ergebnisse, stellen kritische Fragen und zeigen, was Erinnerung für ihre Generation bedeutet.
Podiumsgespräch
Wie kann Erinnerungskultur Menschen heute erreichen? Welche Verantwortung erwächst aus der Geschichte, und wie lässt sich diese Verantwortung persönlich und gesellschaftlich gestalten?
Ein Gespräch mit:
Lena Ditte Nissen (*1987 in München): Filmemacherin und künstlerische Forscherin. Ihr Werk bewegt sich an der Schnittstelle von experimentellem Dokumentarfilm, Performance und installativer Kunst. Ein zentraler, viel beachteter Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer eigenen Familie.
Rosa Jellinek (*1998 in Berlin): Content Creatorin auf Social Media, Aktivistin und politische Bildnerin. Sie arbeitet online und offline zu den Themen Judentum & Antisemitismus, Queerness & Feminismus sowie Internetaktivismus & Hate Speech. Derzeit ist sie als TikTok-Creatorin am Jüdischen Museum Berlin beschäftigt.
Leslie Baruch Brent-Hall (Betsaal)
Haupteingang: Berliner Straße 120–121
13187 Berlin
Eintritt frei.
Eine Veranstaltung der Cajewitz Stiftung mit freundlicher Unterstützung der Lotto Stiftung Berlin.
80. Pankower Waisenhausgespräch (Orphanage-Talk)
Wednesday, 11th of November 2027, 6.30 pm
“Will humanity never learn? A culture of remembrance as a multi-generational project”
How does the fate of people remain alive in a building from which they were driven out?
How can we engage today with the long-deceased children who once lived in the orphanage (‘Zöglinge’)?
And when does the duty to remember become a personal need to come to terms with the past?
The 80th Waisenhausgespräch explores these questions from various perspectives. The historic building thus becomes a place of living memory, where the past and the present engage in dialogue.
Scenic Reading
“Yes, yes, we’ve learnt from history!
YES! We’re a nation of perpetrators.
YES! I’m so sorry. I’m absolutely ashamed of it.
And I’ve really given my granny a proper telling-off about it – you can’t even imagine.”
The OfW theatre collective weaves together historical documents with its own perspective on the culture of remembrance, which seeks a foothold amidst a drive to act, contrariness and bewilderment, and finds it, amongst other things, in the thoughts and lyrical texts of former pupils.
Read by: Anja S. Gläser and Florentine Schara
Text and staging: Philipp Urrutia
German with English surtitles.
Input from Students
Just as it once was for the former ‘Zöglinge’, the former orphanage is a familiar place for the pupils of SchuleEins. Here they learn, make friends, get up to mischief in the school toilets, and develop their moral compass. And they marvel at ‘the elderly figures’ on the wall of the prayer hall, which SchuleEins uses as its assembly hall.
For some time now, pupils of various age groups have also been researching the history of the building. In a workshop with the historian Noor Hammood, the young people, aged between 13 and 17, compile their findings.
At the orphanage discussion, they present their findings, ask critical questions and demonstrate what remembrance means to their generation.
Panel talk
How can a culture of remembrance reach people today? What responsibilities arise from history, and how can these responsibilities be addressed on a personal and societal level?
A talk with:
Lena Ditte Nissen (born 1987 in Munich): Filmmaker and artistic researcher. Her work lies at the intersection of experimental documentary film, performance and installation art. A central and widely acclaimed focus of her work is the critical examination of her own family’s Nazi past.
Rosa Jellinek (*1998 in Berlin): Content Creatorin auf Social Media, Aktivistin und politische Bildnerin. Sie arbeitet online und offline zu den Themen Judentum & Antisemitismus, Queerness & Feminismus sowie Internetaktivismus & Hate Speech. Derzeit ist sie als TikTok-Creatorin am Jüdischen Museum Berlin beschäftigt.
Leslie Baruch Brent-Hall (Betsaal)
Haupteingang: Berliner Straße 120–121
13187 Berlin
Admission is free.
Eine Veranstaltung der Cajewitz Stiftung mit freundlicher Unterstützung der Lotto Stiftung Berlin.
Produktionen PRODUCTIONS
PRODUKTIONEN PRODUCTIONS
Kontakt
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